Als Au Pair in den USA arbeiten | Sandras Erfahrungsbericht Culture Clash & Verständigung

| 15. Juli 2016 | 0 Comments

Sandra steht am Grand Canyon

Viele träumen davon in den USA als Au Pair zu arbeiten, ihre Englischkenntnisse zu verbesseren und natürlich in die amerikanische Kultur einzutauchen! Wenn zwei Kulturen aufeinander treffen kommt es zwangsläufig zu Missverständnissen, aber ebenso entstehen Momente, die einem einfach die Augen öffnen und helfen die neue Kultur zu verstehen!

Von Sandra

Drei gute Gründe um Au Pair zu werden

„Warum möchtest du Au Pair werden?“ – Das ist die erste Frage, die du als potenzielles Au Pair beim Interview gestellt bekommst. Die Antworten fallen allesamt ähnlich aus:

1_kleinIch will mit Kindern arbeiten.

 

2_kleinIch will die Welt bereisen.

 

3_kleinIch will mein Englisch verbessern.

 

Das sind durchaus Motivationen, die du als Au Pair mitbringen solltest. Die Arbeit mit Kindern ist Hauptbestandteil des Aufenthaltes. Du lebst in der Gastfamilie und hast die Kinder im Grunde rund um die Uhr um dich. Auch wirst du die Welt bereisen, neue Kulturen kennen lernen, ein Land von innen heraus entdecken. Dafür lebst du ja ein Jahr oder länger in der Fremde und lässt Familie und Freunde in Deutschland zurück. Dein Englisch wird sich ganz von allein verbessern. Nach knapp einem Monat verständigst du dich problemlos mit deiner Gastfamilie und das mitgebrachte Wörterbuch verstaubt längst im Koffer.

Da war doch noch was…

Nicht ganz so offensichtlich ist ein vierter Aspekt, den das Leben als Au Pair mit sich bringt. Für einen kurzen Moment wird man Teil einer anderen Kultur und kann seine eigene von außen betrachten. Jeder, der längere Zeit im Ausland gelebt hat, profitiert davon. Englisch lernen, die Welt bereisen, Kinder betreuen: All das sind Facetten, die man aktiv mitgestalten kann. Keinen Einfluss hat man jedoch darauf, dass man mit einem Mal in einer völlig anderen Umgebung lebt, wohnt und arbeitet. Seine gewohnten Ansichten und Verhaltensweisen legt man natürlich nicht sofort ab. Erst nach und nach passt man sich den dortigen Gegebenheiten an und lebt mit seiner deutschen Identität in der amerikanischen Kultur. Dieses Miteinander zweier unterschiedlicher Kulturen nennt man Interkulturalität.

Kulturelle Unterschiede

Sandra spielt mit drei Kindern im Laub.

Sandra und ihre Au Pair-Kinder

Du wirst als Au Pair merken – wahrscheinlich nicht direkt und unmittelbar – dass die andere Kultur viele Vor- und Nachteile hat. Einerseits sind Amerikaner unglaublich freundlich und heißen dich sofort willkommen. In Geschäften zum Beispiel wird man direkt angesprochen und man fühlt sich automatisch wohler. Auf der anderen Seite merkt man bald, dass viele auch sehr oberflächlich sein können. Du wirst zwar immer gefragt, wie es dir geht, aber eine ehrliche Antwort will keiner hören. Das englische „How are you“ ist mehr eine Floskel als tatsächliches Interesse an deinem Wohlbefinden. Andersherum wundert man sich anfangs, dass Amerikaner tatsächlich für alles das Auto nutzen. Gastfamilien fahren zum Beispiel zum eigenen Straßenfest mit dem Auto. Da in den USA jedoch auch alles viel größerer Dimensionen hat, ist das auch kein Wunder. Amerikanische Straßen können einfach 3km lang sein und haben oft keinen Bürgersteig.
Kommst man zurück nach Deutschland, ist auf einmal alles wieder anders. Die Menschen wirken eher unfreundlich und die Verkäuferin im Laden reagiert genervt, wenn man sie anspricht. Umso mehr freut man sich, dass viele Orte wieder fußläufig oder zumindest mit dem Rad zu erreichen sind. Und falls nicht, gibt es immerhin ein funktionierendes öffentliches Nahverkehrssystem.
Solche kulturellen Gegebenheiten funktionieren im jeweiligen Land gut, weil jeder sie kennt und akzeptiert. Schwierig wird es erst, wenn man als Fremder mit einer bestimmten Situation konfrontiert wird und plötzlich nicht mehr weiß, wie man reagieren soll. Die folgende Geschichte zeigt dir, dass man manchmal einfach nur die Perspektive ändern muss, um etwas zu verstehen.

Die Zimmertür

Ein Buffet mit verschiedenen, typisch amerikanischen Süßspeisen

Typisch amerikanisches Gebäck

Meine Gastfamilie war – typisch amerikanisch – sehr religiös und besuchte jeden Sonntag den Gottesdienst. Da ich damit nicht viel anfangen konnte, blieb ich am Sonntag Zuhause, schlief aus und verbrachte die Zeit in meinem Zimmer. Nach dem Gottesdienst war es in meiner Familie Tradition, dass man sich zu einem ausgiebigen Brunch mit vielen leckeren amerikanischen Sünden (Cinnamon Rolls, Doughnuts, Muffins, …) trifft. Ich wartete also in meinem Zimmer darauf, dass meine Gastfamilie mit den süßen Speisen von der Kirche zurückkam. Irgendwann hörte ich Geräusche und verließ mein Zimmer. Als ich in die Küche kam, hatte meine Gastfamilie bereits angefangen zu frühstücken.
Ich empfand das damals als unglaublich unhöflich und habe meine Gastmutter darauf angesprochen. Ihre Antwort hat mich ziemlich verblüfft und mir die Augen geöffnet. Sie sagte mir, dass sie ohne mich angefangen hatten, weil ich in meinem Zimmer war und die Tür geschlossen war. In den USA bedeutet das, dass man alleine gelassen werden möchte und sich vom Rest der Familie abschottet. Aus Deutschland kennst du das sicherlich anders: Selbst wenn deine Zimmertür geschlossen ist, kommen deine Eltern ins Zimmer. Meistens klopfen sie an oder sie rufen dich einfach zum Essen. In den Staaten ähnelt eine geschlossene Tür einer Mauer: Du schließt sie, weil du dich vom Rest abgrenzen willst. Natürlich ist es in Ordnung, die Tür nachts zu schließen oder wenn du dich umziehst. Aber sonst steht sie immer offen.

Was ist denn jetzt richtig oder falsch?

Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es hängt immer davon ab, aus welcher Perspektive man die Dinge betrachtet. Beide Kulturen interpretieren bestimmte Gesten auf unterschiedliche Weise. Ich habe gelernt, dass sowohl Amerikaner als auch Deutsche zwei unterschiedliche Sichtweisen vertreten. Und das eben unbewusst. Ich hatte mir nichts Schlimmes dabei gedacht in meinem Zimmer mit geschlossener Tür zu sitzen und zu warten. Meine Gastfamilie hatte die geschlossene Tür jedoch als Zeichen gedeutet, ich wolle nicht mit ihnen frühstücken. Keiner hat in dem Sinne falsch gehandelt, sondern wir haben uns so verhalten, wie es uns unsere Kulturen gelehrt haben. Wichtig ist dabei nur, dass man offen mit solchen Situationen umgeht. Wenn du dir unsicher bist oder das Gefühl hast, etwas falsch zu machen, dann sprich mit deiner Gastfamilie darüber. So lösen sich die meisten Probleme von selbst und niemand fühlt sich missverstanden.
Als Au Pair lernt man offener zu sein und andere nicht zu schnell zu verurteilen. Man nimmt andere Menschen so wie sie sind und lässt sich nicht von Vorurteilen lenken. Zudem versteht man seine eigene Kultur viel besser und hinterfragt oft, ob vieles überhaupt sinnvoll ist.
Im Übrigen kann man interkulturelles Verständnis auch innerhalb eines Landes anwenden. Sobald du anfängst zu studieren oder zu arbeiten, wirst du Leute aus weiten Teilen Deutschlands kennenlernen. Da jeder Mensch anders aufwächst und kulturell geprägt wird, entstehen schnell Missverständnisse. Man muss versuchen, die Situation mit den Augen des Anderen zu sehen und jemanden nicht sofort zu verurteilen, nur weil er anders handelt als erwartet.

Diese Themen könnten dich auch interessieren:

>> Noch mehr über die Arbeit als Au Pair erfährst du in Luanas Erfahrungsbericht!

>> Mit Kindern im Summercamp in den USA arbeiten: Hier findest du Summercamp-Erfahrungsberichte und allgemeine Informationen zu Working Holidays im amerikanischen  Feriencamp

>> Au-Pair in den USA – alle Infos zu dieser Auslandszeit

>> Au-Pair Programme in den USA auf Auslandsjob.de finden

Category: Allgemein, Erfahrungsberichte, Magazin

Avatar

About the Author ()

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.