Als Camp Counsellor in Amerika: Ein Sommer im amerikanischen Feriencamp Laura als Camp Counsellor in Maine

| 12. März 2014 | 8 Comments

Ein Erfahrungsbericht von Laura

Nach dem Abi habe ich mich entschlossen in den USA zu jobben. Camp Counsellor war für mich der perfekte Sommer Job um mit meinem Verdienst anschließend die USA zu bereisen.

Als Kanu-Trainer im amerikanischen Feriencamp

Als Kanu-Trainer im amerikanischen Feriencamp

Abi- und was dann? Die Frage habe ich mir wie so viele wahrscheinlich auch in meinem letzten Schuljahr gestellt. Einfach nur zu Hause rumlungern oder am Fließband zu arbeiten, dass war mir zu langweilig. Ich will ins Ausland gehen -dass stand für mich fest. Aber wohin und wie? Alleine? Nein. Work- und Travel in Australien? Klingt gut, aber zu viel Zeit verlieren wollte ich auch nicht. Die Anmeldung für mein Studium in den Niederlanden ab September war schon raus. Außerdem bist du bei Work & Travel größtenteils auf dich alleine gestellt. Das konnte ich mir mit 19 noch nicht vorstellen. Zum Glück hatte ich da noch diesen Zeitungsartikel. Dort berichtete ein Mädchen von ihrem Aufenthalt als Betreuerin in einem amerikanischen Feriencamp. Genau das Richtige für dich, dachte ich damals: Du bist für einen absehbaren Zeitraum weg (9 Wochen), für Verpflegung und Unterkunft ist gesorgt, du verdienst ein zusätzliches Taschengeld und bist nicht auf dich alleine gestellt, sondern arbeitest mit vielen anderen Leuten in deinem Alter aus den verschiedensten Nationen zusammen. Außerdem kannst du nebenbei deine Englischkenntnisse verbessern und die komplette Organisation deines Aufenthalts wird vom Programmanbieter ausgeführt.

Als Camp Counsellor in die USA – aber wie?

Groß informiert, was es noch für andere Möglichkeiten und Anbieter von Work and Travel Programmen gibt habe ich mich nicht. Für mich stand fest ich gehe ins Camp und deshalb habe ich mich auch direkt bei dem Anbieter aus dem Zeitungsartikel beworben. Das Bewerbungsverfahren war schon ein wenig aufwendig, weil ich diverse Zeugnisse und Bestätigungen organisieren musste und zum Teil ins Englische übersetzen musste. Außerdem musste ich zu einem persönlichen Interview bei der Organisation, um meine Englischkenntnisse prüfen zu lassen. Mit der Vermittlung ging dann aber alles ganz schnell. Vorteil war, dass ich Erfahrung in verschiedenen Sportarten vorweisen konnte und selbst als Sporttrainer gejobbt habe.

Von der Organisation wurde ich von der Bewerbung bis zum Rückflug optimal betreut. Wir hatten ein Vorbereitungstreffen in Deutschland, der Flug wurde für uns gebucht und wir wurden in New York empfangen und haben dort nochmal eine Einweisung bekommen.

Cooler Job: als Betreuer im Summercamp in den USA Dein ultimativer Summerjob!

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Ein klassischer Job im Rahmen von Work & Travel USA ist die Mitarbeit als Betreuer im Camp Leaders Summercamp-Programm. Besonders Sport-Asse mit soliden pädagogischen Fähigkeiten sind hier gefragt. Wenn du auch in deiner Freizeit gern mit Kids und Jugendlichen arbeitest, kannst du einen spannenden Sommer lang für ca. 9 Wochen gegen Taschengeld, Kost und Logis […]

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Ankunft in den USA

Feriencamps in den USA liegen idyllisch mitten in der Natur

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Dann ging es mit dem gelben Schulbus, mit Blick auf die New Yorker Skyline, (ganz stilecht) und jeder Menge anderer Camp Counsellor, in den Norden der USA. Mein Ziel war das „Camp Kippewa“ im Staat Maine, ganz im Nordosten, an der Grenze zu Kanada. Nichts mit Sommerhitze, sondern gemäßigtes Klima mit einer Vegetation ähnlich wie in Skandinavien. Das Camp lag idyllisch an einem See, umgeben von Nadelbäumen und mit kleinen roten Schwedenhütten aus Holz.

Der größte Schock war für mich glaube ich zunächst die Sprache. Eigentlich davon überzeugt, gut Englisch zu können, habe ich fast kein Wort (vor allem vom Slang der australischen Betreuer) verstanden. Die ersten Tage war ich schon recht unsicher, vor allem wegen der sprachlichen Barrieren. Dann musste ich für einen Kanukurs auch noch in ein anderes Camp. Während die anderen Counsellor sich also schon näher kennenlernten, glänzte ich mit Abwesenheit. Das habe ich aber schnell wieder aufgeholt, nachdem ich zurück war. Auch mit dem Englisch klappte es von Tag zu Tag besser. Woran ich mich erst noch gewöhnen musste war der Umgang mit der Campleitung. Der Umgang mit dem Seniorchef war sehr förmlich und unpersönlich. Generell waren die Verantwortlichkeiten nicht wirklich geregelt und es lief so einiges schief. Gut, dass man sich da mit seinen Kollegen austauschen konnte.

Der Alltag im amerikanischen Feriencamp

Als General Counsellor war ich mit einer Britin und einer Jamaikanerin für eine Gruppe von Mädels im Alter von 13 Jahren zuständig. Das bedeutet praktisch eine rundum Betreuung. Du schläfst zusammen mit deiner Gruppe in einer Hütte, musst die Mädels aufwecken, ins Bett schicken, bist Ansprechpartner bei Problemen und musst dafür sorgen, dass sie ihren Stundenplan einhalten. Den Stundenplan stellen sich die Mädchen selbst zusammen: Zwischen den festen Programmpunkten wie Frühstück, Mittagessen und Abendessen, können die Mädchen sich aussuchen an welchen kreativen oder aktiven „Unterrichtsstunden“ sie teilnehmen möchten.  Während dieser Zeit habe ich dann zum Beispiel meine Kanustunden gegeben. Aber auch Freistunden zum verschnaufen waren mal angesagt.

Den ganzen Tag mit vorpubertären 13-jährigen Mädchen zu verbringen ist echt anstrengend! Den Sundaebecher für die sauberste Hütte haben wir kein einziges Mal gewonnen. Themen wie Abnehmen und Sport, shaving-parties (gemeinschaftliches Rasieren der Beinbehaarung) und Jungs standen hoch im Kurs. Aber ab und zu plagte dann doch mal das Heimweh und die Mädchen waren dankbar über unsere Unterstützung. Abends gab es gemeinsame Aktionen wie Lagerfeuer, Theater- und Tanzaufführungen und Mottoabende. Highlights waren für mich eine Spaß-Olympiade und ein Kanuausflug mit Übernachtung im Zelt und der Cookie, den es freitags zum Nachtisch gab. Rituale wie das morgendliche Hissen der amerikanischen Flagge und dem Aufsagen des Treuegelöbnisses und dann das gleiche Prozedere nochmal abends beim abnehmen der Fahne waren für mich typisch amerikanisch und etwas befremdlich.

Regulär hatten wir einen halben und einen ganzen Tag frei. An den Tagen konnte man sich immer mit anderen Counsellorn  zusammentun und mal aus dem Camp rausfahren. Da das Camp abgelegen lag und wir jedes Mal mit dem Taxi fahren mussten, war die Endstation aber meistens das Einkaufszentrum mit großem Walmart und Kino. Auch eine Art von Kulturreise! Viele Counsellor haben hier ihr gesamtes Taschengeld gelassen…Einmal hatte ich allerdings die Chance mit einer Betreuerin aus der Nähe im eigenen Auto in die Hauptstadt von Maine, nach Portland zu fahren. Da kam echtes USA-Feeling auf mit Alanis Morissette auf den Ohren über den Highway…

Die beste Zeit im Camp, war für mich die letzte Woche, nachdem die Kinder schon abgereist waren. Wir haben mit 10 Counsellorn in einer Hütte gelebt und konnten das Campleben nun so richtig genießen.

Von Maine nach Miami in 14 Tagen

Nach dem Camp stellte sich die große Frage: Wie geht’s weiter? 2 Wochen hatte ich noch Zeit um vor meinem Studienstart die USA zu erkunden. Gerne wollte ich mit anderen Counsellorn reisen. Aber die meisten hatten deutlich mehr Zeit als ich. Also entschloss ich mich allein zu reisen – und würde es immer wieder so machen! Über Bosten nach New York ging es noch gemeinsam mit anderen Counsellorn, dann ging es für mich weiter mit dem Greyhound-Bus einmal die Ostküste entlang: Über Washington D.C., Charleston und St. Augustine bis nach Miami. In Miami ging es dann mit dem Flieger zurück nach New York.

Schlusswort

Die Erwartungen vor dem Aufenthalt waren natürlich hoch. Viele Erwartungen werden von den Organisationen auch mit Aussagen wie „Sommer deines Lebens“ gepusht. Die Zeit im Camp habe ich vorab ein bisschen durch die rosarote Brille gesehen. Da stand auf jeden Fall der Spaßfaktor im Vordergrund. Dass das Campleben auch seine Höhen und Tiefen hat, das habe ich dann erst vor Ort kennengelernt.  Eine rundum die Uhr Betreuung von einer Gruppe Kinder ist extrem anstrengend. Man wird auch nicht immer von allen Seiten respektvoll behandelt und kulturelle Unterschiede schaffen manchmal schon einige Barrieren. Deshalb habe ich die Zeit im Camp aber trotzdem genossen und kann es nur jedem weiterempfehlen! Vor allem mein Englisch und Selbstbewusstsein wurden auch durchs anschließende Reisen ordentlich gepushed. Das beste daran: Der komplette Aufenthalt inklusive Flug, Visum, Programmgebühr und Reisen hat mich nur 120 € gekostet!

Category: Allgemein, Erfahrungsberichte, Magazin

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About the Author ()

Laura Stephan ist mit Reisen und internationalen Kontakten groß geworden. Zu Hause, in der sechsköpfigen Familie, waren Austauschschüler und internationale Besucher jederzeit willkommen. Schon damals war der Sommerurlaub das Highlight des Jahres und das ist heute noch so. Nach dem Abitur hat Laura als Kanutrainer in einem Feriencamp in Maine in den USA gearbeitet. Auch was das Studium angeht ist sie international geblieben und hat im Ausland, in den Niederlanden Tourismus- und Eventmanagement studiert. Highlight war das Auslandssemester in Argentinien und die anschließende Backpacker-Tour durch Argentinien, Chile und Uruguay. Es folgten Trips durch Großbritannien, Kuba und Norwegen. Nächste Ziele Kurzstrecke: Istanbul, Irland, Baltikum, Israel. Nächste Wunschziele in die Ferne: Bolivien, Peru und Neuseeland. Die Mitarbeit bei der Initiative auslandszeit ist für Laura die perfekte Kombination Ihrer beruflichen Fähigkeiten mit ihrer Reisebegeisterung und eine Chance ihre Erfahrungen an andere Work and Traveller weiterzugeben und sich auszutauschen.

Comments (8)

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  1. 17 Dinge, die man nur im amerikanischen Summer Camp erlebt | 10. Juli 2019
  1. Avatar Nele sagt:

    Hallo 🙂

    Kannst du vielleicht einmal eine Vorlage deiner Bewerbung hochladen?

  2. Avatar Christoph sagt:

    Ist ein Beginn im Juli auch möglich?
    Die Schule ist da erst zu Ende.
    Grüße Christoph

  3. Avatar nina sagt:

    Hallo, ich habe genau dieselbe Frage. Mit welcher Organisation hast du das gemacht? Und ab was für einem Datum muss man starten?
    Liebe Grüße

    • Avatar Laura sagt:

      Hallo Vivien, hallo Nina,
      ich habe mich bei der Organisation aisf in Bonn beworben. Unser Partner Smaller Earth aus Bonn ist auch sehr erfahren auf diesem Gebiet 🙂 Anbei findet ihr die Homepage zum Thema: http://www.campleaders.com/de/. Ihr müsst zwischen dem 1. Mai und 20. Juni ausreisen können und mindestens 9 Wochen Zeit haben.
      Viele Grüße, Laura

      • Avatar Björn Berensmann sagt:

        Ich hab eine kurze Frage. Wie lang ist denn die maximale Aufenthaltszeitspanne, die man vom Start des Camps/Anreise noch mit dem J1-Visum in den USA verbringen darf?
        Gruß Björn.

  4. Avatar vivien sagt:

    Hallo, mit welcher Organisation bist du denn ins summer camp gegangen? Und kann man das auch in den Semesterferien machen?

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